Dienstag, 15. Dezember 2009

Blogwichtel-Beitrag: Die fünf Sprachen der Liebe
















































Was sich liebt, versteht sich (leider nicht immer). Denn Liebe lässt sich auf verschiedene Art ausdrücken, nämlich durch

- zärtliche, liebevolle Wortwahl, Lob und Anerkennung,
- Berührungen, Umarmungen,
- Geschenke,
- Zeit, Aufmerksamkeit sowie
- Taten, aktive Hilfe.

Die "fünf Sprachen der Liebe (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnf_Sprachen_der_Liebe)" sind ein bekannter Aspekt der Paartherapie (Begründer: Gary Chapman). Jeder Mensch bevorzugt eine bis zwei dieser Sprachen, um seine Liebe auszudrücken. Wenn er Pech hat, spricht sein Partner genau zwei andere Sprachen, und so reden beide aneinander vorbei und fühlen sich ungeliebt.

Das Erstaunliche: Zu Beginn einer Beziehung, wenn man "über beide Ohren verliebt" ist, kommuniziert man mit dem Partner auf allen fünf Kanälen. Man schenkt sich Zeit und kleine Aufmerksamkeiten, man hilft sich, berührt sich, raunt sich Liebeserklärungen zu. Doch mit der Zeit beschränkt man sich dann wieder auf die ein bis zwei bevorzugten Liebesbotschaften.

Weihnachten ist die Zeit der Liebe. Zeit, herauszufinden, welche Sprache Ihr Partner bevorzugt. Wie zeigt er Ihnen seine Liebe? Das ist in aller Regel auch die Art, wie er Liebe empfangen möchte. Welches ist Ihre bevorzugte Liebessprache? Schenken Sie dem Liebe-Schenken doch in diesen Tagen einmal Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit und schauen Sie, was sich dabei entwickelt.

Fröhliche Weihnachten



Anmerkung: In diesem Jahr hatte Frau Bhuti zum Blogwichteln eingeladen und die Wichtel einander zugelost. Dieser Beitrag wurde mir zugewichtelt - dem unbekannten Schreiber ein herzliches Dankeschön dafür!

Sonntag, 15. November 2009

Fakten und Tipps für besseres Zuhören

Jochen Mai, Diplom-Volkswirt, langjähriger Wirtschaftsjournalist und Autor, hat auf seiner Webseite "die karrierebibel" im Beitrag "Hör zu! - 10 Fakten, die Sie über das Zuhören wissen sollten" wichtige und zugleich interessante Fakten zum Thema Zuhören zusammengefasst.

Darüber hinaus finden Sie am Ende seines Beitrags 7 wertvolle Tipps für das bessere Zuhören.

Alles in allem ein Beitrag, der jeden von uns betrifft, die wir mit anderen Menschen Umgang haben. Egal, ob als  Lehrer oder Eltern, ob als Unternehmer oder Manager, ob als Angestellter oder Beamter.

 

Montag, 9. November 2009

09. November 1989 - Erinnerungen 20 Jahre "danach"


Der 9. November 1989 war einer der emotionalsten Tage in meinem Leben ... und das, obwohl ich ein "Wessi" bin ... oder doch weil?

Vor fast genau einem Jahr kam in einem Forum eine Diskussion auf über die Ereignisse des Herbst 1989 und die Frage stand dort: "Warum war es für euch so wichtig, dass die Mauer fällt. Was hat euch so sehr belastet, dass dieses Ereignis für euch eine Befreiung war? Die Probleme hatten doch wir, bei euch war doch alles ok..."

Bei mir tauchten viele Erinnerungen auf ... nicht nur an diesen Herbst 1989, sondern an viele Begebenheiten davor und mir wurde klar, weshalb es für mich so wichtig war, dass diese Mauer endlich verschwand:

Mein Vater, Jahrgang 1928, verließ 1958 "illegal" seine Heimatstadt Görlitz, ließ seine Mutter dort - mehr oder weniger - allein. Oma war schon lange verwitwet, hatte ihre beiden Söhne seit 1931 allein aufgezogen und den "Großen" im Krieg in Belgien verloren. Sie hatte noch eine Schwester in Löbau und 5 Nichten, in Löbau, Bautzen und Görlitz.

Ich hatte diese Oma, "Oma Löbau", bis ca 4 Jahre vor ihrem Tod einmal im Jahr für ein paar Wochen "für mich".
Sie machte mit mir viele Waldspaziergänge, brachte mir bei, die verschiedenen Bäume und Vögel zu unterscheiden, erklärte mir die (Heil)Wirkung vieler Pflanzen ... und sie sang sehr gern mit ihrer schönen, klaren Stimme ... nach einem Lied hatte sie plötzlich Tränen in den Augen und sagte "das darf ich in Löbau nicht mehr singen".
Als gerade schulpflichtig gewordenes Kind habe ich diese Worte gehört, aber den Sinn dahinter nicht verstanden.
Ich habe jedoch gespürt, dass das nicht richtig sein kann, wenn ein Mensch ein schönes Lied nicht singen darf.

Oma Löbau starb 1972, meine Eltern bekamen eine halbe Stunde, bevor der Zug fuhr, das Visum für die DDR zur Beerdigung. Mein Vater stieg mit sehr stark gemischten Gefühlen in den Zug, er hatte Angst, dass seine "Flucht" 1958 irgendwo vermerkt war und er die DDR zumindest nach der Beerdigung nicht mehr verlassen dürfte.
Gott sei Dank war seine Angst unbegründet gewesen.

All' die Jahre zuvor, die ich zurückdenken kann - und dann danach, weil durch die Beerdigung noch ein paar Familien dazukamen, glich unsere Wohnung von Ende Oktober bis Mitte/Ende November einem großen Lebensmittelladen, es roch nach Kaffee und sobald ich schreiben konnte, war es meine Aufgabe, die Inhaltslisten für die Weihnachtspakete (Geschenksendung - keine Handelsware!) zu schreiben ... zwei kamen in jedes Paket, eine innen hinein, die andere zwischen Paket und Packpapier.
Vieles durften wir nicht senden - Bücher, Zeitschriften waren fast ausnahmslos tabu, es blieben vornehmlich Kaffee, Süssigkeiten und ein paar andere Kleinigkeiten, Seidenstrumpfhosen z. B.

Das Dankeschön dafür waren Bücher von Tante Waltraud, sie arbeitete in Bautzen in einem Verlag (viele von diesen Büchern habe ich immer noch) und Waren des Kunsthandwerks. Oma Löbau hatte, weil sie nur wenig Rente bekam, immer Taschentücher umhäkelt und meiner Mutter und mir geschickt. Auch diese Handarbeiten habe ich noch.

1975 gab es dann eine Änderung in den Reise- und Transitvorschriften - wer in die DDR einreisen durfte "vom Westen aus", konnte sich jetzt dort verhältnismäßig frei bewegen. Man musste jetzt nicht mehr angeben, an welchen Tagen man welche Orte besuchen wollte (und sich dann sklavisch daran halten).
Für meine Eltern Grund genug, unsere Bekannten (seit der Beerdigung) zu kontaktieren wegen eines Besuchsvisums.
Die Cousine meines Vaters lud uns dann offiziell ein (das durften in dem Jahr noch? nur Verwandte tun) und wir fuhren mit dem eigenen PKW für zwei Wochen nach Bautzen.

Diese Fahrt war ... nun ja, außergewöhnlich.
Die Autobahn ab Bayreuth war fast leergefegt, von Norden kam kein Auto entgegen, ziemlich gespenstisch. Kurz vor Hof nahm mein Vater die "falsche" Abfahrt und so kamen wir auf die alte Autobahnstrecke nach Dresden, die wenige Kilometer hinter Hof an einer Brücke abrupt endete. Aus. Ende. Nichts.

Und in Sichtweite ... leicht im Dunst ... es war kurz nach 7 Uhr morgens ... die DDR.

Also drehten wir um und fuhren nach Hof hinein, fanden dann den Wegweiser zur Transitstrecke nach Berlin.
Jetzt kamen die Instruktionen meiner Eltern: "An der Grenze bist Du ruhig, sagst kein Wort. Und Du tust das, was gesagt wird."

Hm ... wir lebten damals am Bodensee, Grenzen und das Passieren derselben zu Fuß oder mit dem Auto waren also nichts Ungewöhnliches für mich ... deshalb waren diese "Instruktionen" etwas einschüchternd ... auch wenn mir mit 14 damals der Sinn eher nach "Widerstand" war.

Wir kamen an die Grenze ... die Autoschlange hielt sich in eben dieser und so standen wir in relativ kurzer Zeit vor dem ersten DDR-Grenzsoldaten. Die Umgebung wirkte ziemlich angsteinflößend - überall Soldaten, Wachtürme ... ich wagte kaum zu atmen.
Ein paar Meter weiter mussten meine Eltern dann aussteigen, unsere Koffer ausladen und die Grenzsoldaten hoben Pullover und Wäsche heraus, um nach verbotenen kapitalistisch-dekadenten Waren zu suchen. Ich durfte im Auto sitzen bleiben, mein Herz schlug bis zum Hals ... was ging da draussen nur vor?
Endlich durften meine Eltern die Koffer wieder einladen und wir konnten zum nächsten Häuschen fahren und unsere Reisepässe wieder in Empfang nehmen.

Puuh ... geschafft. Jetzt noch weitere 5 Kilometer still sein oder normale, unverfängliche Gesprächsthemen finden ... unsere Bekannten in Bautzen hatten uns dazu geraten, da sie erfahren hatten, dass die NVA (Nationale Volks-Armee) bis einige Kilometer nach der Grenze modernste Abhörgeräte auf die vorbeifahrenden Fahrzeuge richtete und hoffte, dass die Insassen doch noch "Geheimnisse" preisgaben.

Von der Transitstrecke in Richtung Berlin mussten wir jetzt runter, nach Plauen ...
... und dort kam für mich dann der ganz große Schock:
Graubraune Häuser, graubraune Strassen, graubraune Schaufenster (sofern überhaupt vorhanden) ... alles graubraun ... ich war entsetzt! Wie konnten hier nur Menschen leben?

Mein Vater, der nie viel davon hielt, Verkehrsregeln bewußt zu brechen und zu übertreten, war hier noch stärker darauf bedacht, nur ja keinen Fehler zu machen, keinen Strich schneller als erlaubt zu fahren.
Irgendwann auf der endlos scheinenden Strecke von Plauen nach Bautzen fuhr ein Fahrzeug der VoPo vor uns ... mein Vater bremste ab und ließ sich auf etwas mehr als Sicherheitsabstand fallen, obwohl wir jetzt langsamer waren als erlaubt. Hm. Aber mein Vater sagte "ich lasse mich nicht provozieren, die wollen doch nur, dass -der Westler- unüberlegt überholt". Vielleicht hatte er Recht.

Trotzdem wurde der Urlaub dort zu einem schönen Erlebnis - Tante Waltraud mit Familie und unsere Bekannten zeigten uns die Umgebung, alle Sehenswürdigkeiten in sowie rund um Bautzen, Görlitz und Dresden - Schiefer Turm, Oybin, Wasserkunst, Blaue Adria, Grünes Gewölbe, Schloss Rammenau ... und für mich erstaunlich - in Bautzen einen unvorstellbar großen Buchladen.

Tante Waltraud lebte mit ihrer Familie im Häuschen, das sie von ihrer Mutter geerbt hatte, direkt hinter dem "Gelben Elend" - dem großen Gefängnis in Bautzen, das über Ländergrenzen hinaus bekannt war als "Verwahrungsort" für viele Staatsfeinde der DDR, des Sozialismus.
Es gab nur eine Strasse dort vorbei ... und diese Strasse war - wie so viele Strassen damals - nicht ihres Namens würdig. Ein besserer Feldweg, war mein Eindruck damals ...
Am 10. Tag unseres Urlaubs fuhren wir wieder am Abend dort entlang "nach Hause" zu Tante Waltraud - und mein Vater fing an zu lachen. Die Strasse war repariert worden - alle Schlaglöcher gefüllt, mein Vater konnte einfach geradeaus fahren und war nicht mehr gezwungen, den Schlaglöchern auszuweichen. Tante Waltraud und Onkel Fritz sagten nichts dazu, sie lächelten nur leise.

Die Rückfahrt über die "Schreckensgrenze" war wieder nervenaufreibend - hatten wir doch all das zwangsumgetauschte Geld nicht unter die Leute gebracht und in dem einen oder anderen Täschchen zwischen gebrauchter Wäsche und unter Vasen oder Gläsern versteckt, die meine Eltern gekauft hatten.

Im folgenden Jahr fuhren wir wieder in die DDR, dieses Mal für drei Wochen. Die Grenze hatte nichts von ihrem Schrecken verloren, im Gegenteil - jetzt nahm ich einiges viel bewußter wahr.
An den Farben der Häuser, den leeren Schaufenstern und dem Zustand der Strassen hatte sich absolut nichts geändert ... einzig die Trabi's und Wartburgs waren nicht mehr nur weiß oder beige, sondern bunt. Wenigstens etwas.

An einem Vormittag schickte Tante Waltraud ihre Tochter Margit und mich zum HO-Laden, wir sollten dort ein paar Sachen einkaufen. Wieder ein "Kultur-Schock" für mich - Regale à la Aldi, aber mehr als spärlich mit Waren versehen. Auswahl Fehlanzeige. Wir waren gerade ganz hinten im Laden, als vorne an der Kasse Stimmengewirr zu hören war. Margit horchte auf und zog mich dann mit nach vorne mit den Worten "da gibts was, ich weiss nicht was, aber wir stellen uns an". Als wir an der Reihe waren, traute ich meinen Augen nicht: Margit bekam ein paar Pfirsiche - die hätte hier "im Westen" niemand mehr gekauft. Aber Margit war froh, etwas "Besonderes" ergattert zu haben.
Ich schwankte zwischen Bewunderung und Entsetzen. Bewunderung für die Menschen, die unter diesen Voraussetzungen nicht verzweifelten und Entsetzen darüber, dass diese Menschen nicht einfach aufbegehrten.

In den folgenden Jahren blieb ein reger Briefwechsel, viele Päckchen und Pakete durfte die Post verschicken und als Highlight meldeten wir zu Weihnachten oder zu Geburtstagen immer ein Telefonat in die DDR an ... in der Hoffnung, dass wir nicht gerade mitten in der Nacht geweckt werden würden für dieses Telefonat.

Irgendwann riss der Kontakt etwas ab ... aber nie ließen mich die Gedanken los.
Als ich 1988 mit meinem Mann bei einer Familienfeier in der Nähe der DDR-Grenze bei Bad Steben zu einem Spaziergang aufbrach und wir dann plötzlich keine 50 Meter vor uns einen DDR-Wachturm sahen, kam so vieles wieder hoch.
Die Panik an der Grenze, die schöne Landschaft, die Ausflugsfahrt im Spreewald, das Grüne Gewölbe.
Ich zog meinen Mann weg von diesem Wachturm und fragte innerlich nur: "ob ich es noch erleben werde, dass dieser Wahnsinn ein Ende hat, dass die Menschen dort drüben das gleiche Recht haben wie wir hier?"

Gebannt und auch ungläubig saß ich vor dem Fernseher, als im August 1989 sich die ersten Flüchtlinge über Ungarn die Freiheit erkämpften.
Mit Tränen in den Augen habe ich am 30. September 1989 die Worte von Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft mitverfolgt.
Und immer war da die Angst: Hoffentlich bleibt alles ruhig, hoffentlich muss das kein Mensch mit seinem Leben bezahlen.

Am 9. November 1989 sassen mein Mann und ich gerade beim Abendessen, als Günter Schabowski seinen berühmten Worte sagte "... wie ich das lese, sofort" ...
Wir sahen uns an ... und konnten es erst nicht fassen und dann nicht mehr essen. Wie gebannt verfolgten wir die Berichterstattung bis spät in die Nacht. Tränen flossen reichlich ... und auch Sekt.

Am nächsten Morgen noch vor dem Weg zur Arbeit schnell den Fernseher eingeschaltet - ist die Grenze noch offen? Oder war das alles nur ein Traum, der schon wieder vorbei ist? Nein - es ist wahr, der Traum geht weiter.

Und dann die ersten Trabi's und Wartburg's auch in Nürnberg ... in den Strassen ... wenn wir morgens zur Arbeit fuhren, sahen wir sie am Strassenrand parken, drinnen schliefen manchmal bis zu 4 Leute ... sicher mehr schlecht als recht.
In der U-Bahn-Passage vor den Läden die staunenden Gesichter ... besonders am Obstladen dort. Als ich mir eines Morgens eine Ananas kaufte, sprach mich eine junge Frau zögernd an "Entschuldigung, wie isst man die? Muss man die kochen?"
Uff ... runterschalten, nicht lachen!!! "Nein, die können Sie roh essen, nur das Harte aussenrum mit einem Messer wegschneidenn und den holzigen Teil innen drin entfernen."

Ich hätte sie umarmen wollen ... ich war so unendlich froh, dass endlich auch die Menschen der DDR das Recht hatten, dorthin zu fahren, wohin sie wollten und wohin ihr Geldbeutel sie brachte. Dass sie endlich sich informieren durften, frei, ohne Zensur der StaSi oder sonstiger staatlicher Stellen. Dass sie endlich kaufen konnten, was sie sich leisten konnten.

Dieses Gefühl hat sich in den letzten 20 Jahren nicht verändert. Trotz der Schwierigkeiten, die da sind, wenn zwei Staaten parallel in verschiedenen Systemen "aufwachsen" und dann "zusammengeschmissen" werden.
Jedes Jahr am 9. November denke ich dankbar mit Tränen in den Augen an den Abend im November 1989, als der Alptraum endlich zu Ende ging.


Dienstag, 20. Oktober 2009

dialogfreudig = geschwätzig?

Vor wenigen Tagen empfahl eine "Verfolgerin" auf Twitter (http://twitter.com) einige ihrer Verfolger mit der Beschreibung "dialogfreudig".
Ich las diese Empfehlung und assoziierte mit diesem Begriff einfach die Bereitschaft, sich auf ein wirkliches Zwiegespräch mit seinem Gegenüber einzulassen.

Eine Empfehlung auf Twitter wird in den meisten Fällen ausgesprochen, weil der User von den Informationen des Empfohlenen profitiert (hat) und nun auch andere daran teilhaben lassen möchte.

Deshalb war ich äußerst erstaunt, dass ich in der Timeline jener Verfolgerin einen Tweet entdeckte mit dem sinngemäßen Inhalt "ist dialogfreudig die freundliche Umschreibung von geschwätzig?"

Hoppla - da musste ich zwei Mal hinsehen und lesen.
Wie konnte dieser Twitter-User zu dieser Auffassung kommen? Würde jemand auf Twitter einen User empfehlen, weil der "geschwätzig" ist?
Ich kann nur von mir ausgehen ... und ich würde es nicht tun. Sondern - wenn ein User nur "Geschwätz" von sich gäbe ohne inhaltlichen Mehrwert - diesen User auch aus meiner "Following"-Liste (die Twitterer, denen ich folge) entfernen.

Dann jedoch fiel mir ein, dass in einigen Bereichen unseres Lebens Begriffe und Sätze häufig eine versteckte Bedeutung haben.

In Arbeitszeugnissen zum Beispiel.

Viele von uns wissen, dass diese Arbeitszeugnisse positiv verfasst werden müssen, um Nachteile für den Arbeitnehmer zu vermeiden. Der Arbeitgeber will jedoch - im ungünstigsten Fall - seinen "Nachfolger" gern warnen vor diesem Arbeitnehmer, der sich da vorstellt. Das geht am einfachsten über das Arbeitszeugnis, weil dieses Dokument dem neuen, potenziellen Arbeitgeber vorgelegt wird.
Hier hat sich in den letzten Jahren eine Art "Geheimsprache" entwickelt, die trotz positiver Formulierungen die Fehler und Schwächen des Arbeitnehmers aufzeigt.

Oder bei Immobilien-Inseraten bzw. Urlaubsprospekten.

Auch hier wird - oft mit dem Hinweis auf die hohen Kosten bei ausführlicher Beschreibung - eine knappe und positiv formulierte Beschreibung verwendet.
Schließlich soll der potenzielle Kunde das Objekt kaufen oder zumindest mieten, beim Urlaubsprospekt soll der Interessent ja unbedingt diese Reise, diesen Flug, dieses Hotel buchen.

Haben wir uns aufgrund solcher Erfahrungen schon damit abgefunden, dass positiv klingende Begriffe IMMER eine Umschreibung eines schlußendlich doch negativen Tatbestandes sind?
Haben wir aufgrund solcher Erfahrungen verlernt, die Umstände ... also das Umfeld, in dem eine solche Bemerkung gemacht wird ... zu betrachten?
Haben wir aufgrund solcher Erfahrungen verlernt, unseren eigenen Gefühlen im Zusammenhang mit solchen Äußerungen zu vertrauen?

Wenn das so ist, dann sind wir alle aufgefordert, schnellstens umzudenken und unseren gesunden Menschenverstand wieder einzusetzen.
Dann sind wir alle aufgefordert zu lernen, uns selbst, unseren Empfindungen, zu vertrauen.
Dann sind wir alle aufgefordert zu lernen, einen Begriff in seiner ursprünglichen Bedeutung und Meinung einfach so zu akzeptieren - und nicht krampfhaft nach einer versteckten Bedeutung zu suchen.

Denn sonst wird auch ein freundlich und ehrlich gemeintes "Danke für die Erklärung" beim Hörer die Frage aufwerfen "War das jetzt ironisch gemeint?"

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Höre zu ... ein Leben kann davon abhängen

Es gibt viele gute Gründe, weshalb wir lernen sollten, besser zuzuhören als viele von uns es jetzt tun. Vielleicht gibt Ihnen diese kleine Geschichte eines unbekannten Autors nun einen zwingenden Grund. 

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Wir alle wissen, wie es ist, wenn das Telefon mitten in der Nacht klingelt.
Diese Nacht war nicht anders.


Aufgeschreckt durch das fordernde Klingeln richtete sich mein Blick auf die rot leuchtenden Ziffern meiner Uhr. Mitternacht. Beunruhigende Gedanken machten sich in meinem schlaftrunkenen Hirn breit als ich nach dem Hörer griff.

Hallo?“ Mein Herz klopfte, ich fasste den Telefonhörer fester und blickte zu meinem Mann, der sich gerade im Bett in meine Richtung herumdrehte.

Mama?“ antwortete die Stimme. Das Flüstern war im Rauschen der Leitung kaum zu hören. Doch meine Gedanken gingen sofort zu meiner Tochter.

Als der verzweifelte Klang der jungen, weinenden Stimme klarer zu vernehmen war, griff ich nach der Hand meines Mannes und drückte sie fest.

Mama, ich weiß es ist spät. Aber sag' nichts … sag' nichts bis ich fertig bin. Und bevor du fragst, ja, ich habe getrunken. Ich bin fast von der Fahrbahn abgekommen, ein paar Meilen dort hinten und …“

Ich zog scharf den Atem ein, ließ meinen Mann los und presste die Hand gegen meine Stirn. Schlaf vernebelte immer noch mein Gehirn und ich versuchte, die Panik zu unterdrücken. Irgendetwas stimmte hier nicht.

... und ich bekam solche Angst. Alles was ich denken konnte war, wie sehr es dir weh tun würde, wenn die Polizei zu dir käme und sagen müsste, dass ich tödlich verunglückt wäre. Ich möchte … nach Hause kommen. Ich weiß, wegzurennen war falsch. Ich weiß, du bist vor Sorge fast krank. Ich hätte dich schon vor Tagen anrufen sollen, aber ich hatte Angst … Angst ...“

Schluchzer und starke Empfindungen suchten sich ihren Weg vom Hörer in mein Herz. Sofort tauchte das Gesicht meiner Tochter in meinen Gedanken auf und meine vernebelten Gedanken schienen klar zu werden. „Ich denke ...“

Nein! Bitte lass mich zu Ende reden! Bitte!“ flehte sie, weniger ärgerlich als verzweifelt. Ich brach ab und versuchte Worte zu finden. Bevor ich weiterreden konnte, fuhr sie fort. „Ich bin schwanger, Mama. Ich weiß, ich sollte nicht trinken jetzt … besonders jetzt, aber ich fürchte mich, Mama. Ich fürchte mich so sehr!“

Wieder brach die Stimme, ich biß mir auf die Lippen und fühlte, wie sich meine Augen mit Tränen füllten. Ich sah zu meinem Mann hoch, der jetzt neben mir saß und unhörbar murmelte „wer ist das?“

Ich schüttelte nur den Kopf und als ich nicht antwortete, sprang er auf, verließ den Raum und kehrte Sekunden später mit dem mobilen Telefon zurück, das er an sein Ohr hielt. Sie musste das Klicken in der Leitung gehört haben, denn sie frage „bist du noch da? Bitte leg' nicht auf! Ich brauche dich. Ich fühl' mich so allein.“

Ich umklammerte den Hörer und starrte hilfesuchend meinen Mann an. „Ich bin hier, ich hänge nicht auf“, sagte ich.

Ich hätte es dir sagen sollen, Mama. Ich weiß, ich hätte es dir sagen sollen. Aber, wenn wir reden, dann hörst du nicht auf mir zu sagen was ich tun sollte. Du liest all' diese Bücher und Abhandlungen, wie man über Sex redet und alles, aber du redest nur. Du hörst mir nicht zu. Du gibst mir keine Möglichkeit dir zu sagen, was und wie ich fühle. Es ist so, als wären meine Gefühle unwichtig. Weil du meine Mutter bist, glaubst du, du kennst alle Antworten. Aber manchmal brauche ich keine Antworten. Ich brauche nur jemanden, der mir zuhört.“

Ich schluckte den Kloß in meinem Hals runter und starrte auf die „Wie rede ich mit meinen Kindern“-Abhandlungen, die auf meinem Nachttisch verstreut lagen. „Ich höre dir zu“ flüsterte ich.

Weißt du, dort hinten auf der Straße, nachdem ich den Wagen wieder unter Kontrolle hatte, fing ich an nachzudenken über das Baby und daß ich es haben will. Dann sah ich die Telefonzelle und ich hatte das Gefühl ich höre deine Predigt, dass die Leute nicht trinken und dann fahren sollten. Deshalb habe ich ein Taxi gerufen. Ich möchte nach Hause kommen.“

Das ist gut, Kleines“ sagte ich erleichtert. Mein Mann kam näher, setzte sich neben mich und schlang seine Finger um meine.

Aber weißt du, ich glaube ich kann jetzt doch fahren.“

Nein!“ fuhr ich auf. Meine Muskeln verkrampften und ich verstärkte den Druck auf die Hand meines Mannes. „Bitte, warte auf das Taxi. Leg' bitte nicht auf bis das Taxi da ist.“

Ich möchte nur nach Hause kommen, Mama.“

Ich weiß. Aber tu es bitte für deine Mama. Warte auf das Taxi, bitte.“

Ängstlich hörte ich in die Stille. Als sie nicht antwortete, biß ich mir auf die Lippen und schloss die Augen. Irgendwie musste ich sie davon abhalten, selbst zu fahren. „Da ist jetzt das Taxi.“ Erst als ich jemanden im Hintergrund wegen des Taxis fragen hörte, löste sich meine Verkrampfung.

Ich komm' jetzt heim, Mama.“ Ein Klicken und die Leitung war still.
Mit tränengefüllten Augen stand ich von meinem Bett auf, ging durch den Flur in das Zimmer meiner 16-jährigen Tochter. Mein Mann trat von hinten an mich heran, schlang seine Arme um mich und legte sein Kinn auf meinen Kopf.

Ich wischte die Tränen von meinen Wangen. „Wir müssen lernen zuzuhören“ sagte ich zu ihm.

Einen Moment betrachtete er mich, dann fragte er „glaubst du, sie wird je erfahren, dass sie die falsche Nummer gewählt hat?“

Ich sah unsere schlafende Tochter an und dann wieder zu ihm. „Vielleicht war es gar nicht die falsche Nummer.“

Mama, Papa, was macht ihr?“ war eine dumpfe Stimme unter der Decke zu hören. Ich ging hinüber zu meiner Tochter, die sich jetzt aufgesetzt hatte und in die Dunkelheit starrte. „Wir üben“, sagte ich. „Was üben?“ murmelte sie und lehnte sich gegen die Kissen. Ihre Augen waren schon wieder geschlossen, sie schlummerte.

Zuhören“ flüsterte ich und fuhr mit einer Hand sanft über ihre Wange … 

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Originaltext zu lesen bei "TheFoggBlogg",


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 Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von
Mr. John Milton Fogg